Donnerstag, 06.10.2022 21:32 Uhr

Österreichischer Schuldenreport 2022

Verantwortlicher Autor: Schura Euller-Cook Wien, 31.07.2022, 20:58 Uhr
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Wien [ENA] Wurden noch bis in's 19Jh. Menschen, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen konnten in den Schuldturm gesperrt, gibt es heute eine vom Staat relativ großzügige Schuldenberatung, die die Betroffenen beim Privatkonkurs unterstützt. Das ist verständlich, denn auch der Staat macht fortwährend Schulden ohne sich deswegen allzu große Sorgen zu machen, sodass Schuldenmachen langsam zur "Normalität" wird.

Die Gründe dafür sind vielfältig, aber Arbeitslosigkeit und Einkommensverschlechterung wurden von jeder dritten Person bei der Erstberatung genannt und die Covid-Pandemie von jeder zehnten. Durchschnittlich sind Klient*innen mit rund 57.500 Euro verschuldet und 30% haben nicht mehr als das Existenzminimum. Interessant ist auch der hohe Prozentsatz von 51,2% derjenigen in der Schuldnerberatung, die nur einen Pflichtschulabschluss haben und unter 30 Jahre sind. Die Schuldnerberatung reagiert auf diese Entwicklung mit einer nationalen Finanzbildungsstrategie um Kinder und Jugendliche fit für finanzielle Alltagsentscheidungen zu machen. Seit Beginn der Präventionstätigkeit wurden mehr als 352.000 Personen damit erreicht.

In der Schuldenberatung sind 136 Berater*innen tätig und das Budget war 2021 17,1 Millionen Euro. Der Privatkonkurs wurde in Österreich 1995 eingeführt und bis 2021 gab es ingesamt 170.687 Insolvenzeröffnungen. 2017 wurde das Insolvenzrecht reformiert. Jeder Privatkonkurs bedeuted, dass sich eine Person entschulden und damit einen wirtschaftlichen Neubeginn machen kann, wobei auch die Verfahrenslaufzeit durch die Novellen immer mehr reduziert wurde. Die ASB Schuldnerberatungen GmbH als Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatung geht davon aus, dass ein Privatkonkurs nicht nur die Betroffenen entlastet, sondern auch die Volkswirtschaft. Man kann nur hoffen, dass dabei die Gläubiger nicht auf der Strecke bleiben.

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