Samstag, 18.05.2024 15:51 Uhr

Gutenberg-Museum in Mainz

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Mainz, 01.04.2024, 19:22 Uhr
Fachartikel: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 5066x gelesen
Bronzestandbild von Johannes Gutenberg in der Innenstadt von Mainz
Bronzestandbild von Johannes Gutenberg in der Innenstadt von Mainz  Bild: Kurt Lehberger

Mainz [ENA] Eindrücke aus dem Gutenberg Museum in Mainz. Das Museum zeigt alles rund um die Herstellung von Büchern vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart und gibt einen Einblick in die Geschichte der Schriftkultur, die bereits mit der Keilschrift vor 4.000 Jahren begann.

Die frühen Schriften wurden auf Papyrus, Pergament oder später auf Papier abgebildet. Papyrus ist eine Sauergrasart, die am Nil und in anderen Ländern in Afrika wuchs. Aus diesem Gras wurde schon 3.000 vor Christus bis in die Antike ein Bogen zum Beschriften hergestellt. Die entrindeten Stängel wurden in zwei Schichten rechtwinklig übereinandergelegt. Anschließend folgten Pressen, Klopfen und Glätten des Materials. Der Pflanzensaft, der austrat, verklebte die Schichten und der Bogen war fertig zur Beschriftung. Pergament wurde in Europa und Asien aus gegerbtem Leder (Kalb, Schaf, Ziege) gewonnen. Die Haut des Tieres wurde gekälkt, geschabt und spanngetrocknet. Pergament diente als Beschreibstoff vom 3. bis ins 14. Jahrhundert.

Papier wird aus Faserstoffen hergestellt, die heute vor allem aus dem Rohstoff Holz gewonnen werden. Die wichtigsten Faserstoffe sind Zellstoff und Holzschnitzel. Papier war ein wertvolles Gut und schon sehr früh gab es Verordnungen, die auf die Nachhaltigkeit des Materials abzielten, wie die im Jahre 1705 in Nürnberg verfasste „Verordnung über das Ausfuhrverbot von Lumpen“ und „der Erlass über den Umgang mit Papier in der Verwaltung“ von 1767 in Nürnberg. Grundlage für den Buchdruck war das Papier.

Ein weiteres Thema, dem das Museums viel Aufmerksamkeit widmet, ist die Pressefreiheit. 1770 wurde die Pressefreiheit zum Gesetz auf deutschem Boden, nämlich in Schleswig, Holstein, Oldenburg und Altona. Damit war die Freiheit der Presse auch in Hamburg angekommen. Die Auflagen der Tageszeitungen stiegen kontinuierlich. Hamburg war das kontinentaleuropäische Zeitungszentrum. 1904 wurde die „Berliner Zeitung“ von Ullstein in die „B.Z. am Mittag“ umbenannt und entsprechend der neuen Ausrichtung umstrukturiert. Die erste große Boulevard-Zeitung war geboren. Die Kritik an der Boulevard-Presse wurde 1926 in einer Kolumne „Ullstein“ von Larissa Reissner treffend und wortgewaltig geäußert:

„Die Geburtsstätte der «B. Z.» ist das Abflussrohr aller Zeitungen, und sie lebt nur eine halbe Stunde. Man erwartet ihr Erscheinen mit nervöser Gier. Millionen Menschen sehen auf die Uhr und warten auf das Rendezvous mit der «B. Z.». Aber keine Zeitung wird so schnell vergessen, so verächtlich fortgeworfen, in Autobussen und Cafés liegen gelassen. Und jeden Tag ersteht die Straßenaphrodite von neuem -aus dem Abschaum der Meinungen, um sich Millionen in die Arme zu werfen. … In diesem Strom ist das Wort nur ein Bazillus. … Die Attacke ist in vollem Gange, ungeheure Bündel von Papier, gigantische Lügenkokons gebären Millionen Eintagsfliegen.“ (aus: Eine Reise durch die deutsche Republik, Berlin 1926). Der Text ist im Museum ausgestellt.

Das Aufkommen des Fotojournalismus mit den ersten Kleinbildkameras wie der Ermanox von 1926 (Ernemannn Zeiss Ikon) und der Leica I von 1928 (Leitz) war ein Meilenstein im Journalismus. Der Berliner Erich Salomon begann seine Karriere als international anerkannter Fotojournalist. Die Abschaffung der Pressefreiheit unter den Nazis wird ebenso thematisiert. Presse und Rundfunk unterstanden ab 1933 unmittelbar der Kontrolle durch den Staat. Das Reichsministerium für Propaganda gab Presseanweisungen an die sogenannten „Schriftleiter“ der Zeitungsverlage heraus, die unbedingt einzuhalten waren.

Ein Beispiel: Statt der Bezeichnung „Partisanen“ sind im Kampf gegen die Bolschewisten Ausdrücke wie „Mordbrenner“, Heckenschützen“ oder „Räuber“ zu verwenden“ Nr. 527 am 10.12.1941 (die Presseanweisung ist im Museum ausgestellt). Der Presse- und Fotojournalist Erich Salomon wurde von der Gestapo verfolgt und 1944 in Auschwitz ermordet. Pressefreiheit ist heute im Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert. (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Weitere ausgestellte Themen sind die frühe Geschichte des Druckens in Ostasien und Schrift und Druck in islamischen Ländern. Die kostbaren Bibeln aus der Werkstatt von Johannes Gutenberg sind im Tresorraum ausgestellt. Bitte beachten Sie, dass das Gutenberg-Museum an seinem jetzigen Standort am Liebfrauenplatz 5 am 20. Mai schließt. Die Ausstellung kann in der heutigen Form noch bis zum 19.Mai besucht werden.

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